Oswiu (Oswy), König von Northumbrien

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Gedächtnis: 15. Februar

Der heilige Oswiu (auch Oswy) wurde um das Jahr 612 als Sohn König Æthelfriths von Northumbrien geboren und entstammte dem Königshaus von Bernicia. Sein älterer Bruder war der heilige König und Märtyrer Oswald. Nach dem Tod ihres Vaters mussten dessen Söhne ihre Heimat verlassen und verbrachten einen Teil ihrer Jugend im Exil unter den Iren und in Gebieten, die vom iro-schottischen Mönchtum geprägt waren. Dort empfing Oswiu eine tiefgehende christliche Bildung und lernte jene monastische Tradition kennen, die später auch für die Christianisierung Northumbriens von großer Bedeutung werden sollte.

Nach dem Martyrium seines Bruders, des heiligen Oswald, in der Schlacht von Maserfield im Jahre 642 folgte Oswiu ihm zunächst als König von Bernicia. Northumbrien bestand damals aus den beiden alten Teilreichen Bernicia im Norden und Deira im Süden, und Oswius Herrschaft über das gesamte northumbrische Gebiet war anfangs keineswegs gesichert. In Deira herrschte der heilige König Oswin, während zugleich der mächtige heidnische König Penda von Mercia großen politischen und militärischen Druck auf Northumbrien ausübte.

Ein dunkles Ereignis in Oswius Leben war sein Konflikt mit dem heiligen Oswin. Im Jahre 651 standen sich die Heere der beiden Herrscher gegenüber. Als Oswin erkannte, dass seine Streitmacht unterlegen war, entließ er seine Männer und zog sich zurück. Nachdem sein Aufenthaltsort verraten worden war, wurde er auf Oswius Befehl am 20. August 651 getötet. Der ehrwürdige Beda verschweigt Oswius Verantwortung für diese Tat nicht. Später wurde in Gilling, am Ort von Oswins Tod, ein Kloster zur Sühne für das Geschehene errichtet, in dem für beide Könige gebetet wurde. Die orthodoxe Überlieferung beschreibt Oswius späteres persönliches Leben als von Frömmigkeit und Buße geprägt.

Trotz dieser schweren Schuld wurde Oswiu in den folgenden Jahren zu einem der bedeutendsten Förderer der christlichen Mission im England des 7. Jahrhunderts. Aufgrund seiner eigenen geistlichen Prägung stand er zunächst besonders der von Iona und Lindisfarne ausgehenden iro-schottischen Tradition nahe. Er unterstützte die Kirche, schützte die Klöster und förderte die Verkündigung des Evangeliums in Gebieten, in denen der christliche Glaube noch nicht oder erst seit kurzer Zeit verwurzelt war.

Eine wichtige Rolle spielte Oswiu bei der Bekehrung Peadas, des Sohnes des heidnischen Königs Penda von Mercia. Peada, der über die Mittelangeln herrschte, kam an Oswius Hof und nahm den christlichen Glauben an. Er wurde von Bischof Finan von Lindisfarne getauft. Anschließend wurden Missionare zu den Mittelangeln und Merciern ausgesandt, unter ihnen die späteren Bischöfe Diuma und Ceollach. Auf diese Weise wurde Oswius Hof zu einem wichtigen Ausgangspunkt für die weitere Christianisierung der Midlands.

Auch die Erneuerung der christlichen Mission unter den Ostsachsen war mit Oswiu verbunden. König Sigeberht von Essex kam häufig an seinen Hof, und Oswiu bemühte sich darum, ihn vom christlichen Glauben zu überzeugen. Sigeberht empfing schließlich ebenfalls die Taufe durch Bischof Finan. Danach wurde der heilige Cedd mit weiteren Priestern zur Verkündigung des Evangeliums unter den Ostsachsen ausgesandt.

Die größte militärische Bedrohung seiner Herrschaft blieb König Penda von Mercia. Im Jahre 655 drang Penda mit einem großen Heer gegen Oswiu vor. Angesichts der Übermacht seines Gegners gelobte Oswiu Gott, im Falle seiner Rettung umfangreiche Güter zur Gründung von Klöstern zu schenken und seine Tochter Ælfflæd dem monastischen Leben zu weihen. In der Schlacht am Winwæd wurde Penda besiegt und getötet. Damit endete zugleich die letzte große heidnische Vorherrschaft in Mercia.

Oswiu erfüllte anschließend sein Gelübde. Er stellte zwölf Landgüter für die Errichtung von Klöstern zur Verfügung und übergab seine noch junge Tochter Ælfflæd dem Dienst Gottes. Sie wurde zunächst der heiligen Hilda anvertraut und später selbst Äbtissin von Whitby. Die Förderung des monastischen Lebens wurde fortan zu einem wesentlichen Bestandteil von Oswius kirchlichem Wirken.

Zum königlichen Gefolge Oswius gehörte in jungen Jahren auch Benedikt Biscop. Er stammte aus einer vornehmen northumbrischen Familie und diente dem König zunächst als weltlicher Gefolgsmann. Im Alter von etwa fünfundzwanzig Jahren verließ er jedoch den königlichen Dienst, entsagte seiner weltlichen Stellung und brach zu einer Pilgerfahrt nach Rom auf. Später wurde er zu einem der bedeutendsten Förderer des monastischen Lebens in Northumbrien und gründete die Klöster Wearmouth und Jarrow, die durch Ceolfrith und Beda zu bedeutenden geistlichen und kulturellen Zentren wurden.

Zu den bedeutendsten geistlichen Zentren seiner Regierungszeit gehörte das Kloster Streoneshalh, das spätere Whitby, das unter der Leitung der heiligen Hilda stand. Es entwickelte sich zu einem bedeutenden Mittelpunkt des monastischen Lebens und der kirchlichen Bildung und wurde eng mit dem northumbrischen Königshaus verbunden. Auch Oswiu selbst sollte dort schließlich seine letzte Ruhestätte finden.

Im Jahre 664 wurde in diesem Kloster die berühmte Synode von Whitby abgehalten. Innerhalb der Kirche bestanden damals unterschiedliche Gebräuche, insbesondere hinsichtlich der Berechnung des Ostertermins und der Form der Tonsur. Oswiu selbst war durch die iro-schottische Tradition geprägt worden, während seine Gemahlin Eanflæd der in Kent und auf dem europäischen Festland üblichen römischen Ordnung folgte. Dadurch konnte es sogar innerhalb des königlichen Hofes vorkommen, dass ein Teil bereits das Fest der Auferstehung Christi feierte, während der andere noch fastete.

Auf der Synode vertrat Bischof Colman die Überlieferung von Iona, während der heilige Wilfrid für die römische Berechnung des Ostertermins eintrat. Nach Anhörung der vorgebrachten Argumente entschied sich Oswiu für die römische Ordnung. Dabei handelte es sich nicht um einen Gegensatz verschiedener Glaubensbekenntnisse, sondern um unterschiedliche kirchliche Gebräuche innerhalb der damals noch ungeteilten Kirche. Die Entscheidung von Whitby trug wesentlich zur Vereinheitlichung des kirchlichen Lebens in den angelsächsischen Reichen bei.

Auch in den folgenden Jahren setzte sich Oswiu für die Ordnung der Kirche ein. Gemeinsam mit König Ecgberht von Kent bemühte er sich um die Besetzung des Erzbischofsstuhles von Canterbury und um eine geordnete Verbindung der englischen Kirche mit den übrigen Kirchen des Westens. Sein Königtum war dadurch eng mit der kirchlichen Entwicklung seiner Zeit verbunden. Die orthodoxe Überlieferung ehrt ihn als einen Herrscher, der königliche Verantwortung mit Eifer für den christlichen Glauben und mit der Förderung des monastischen Lebens verband.

In den letzten Jahren seines Lebens wurde Oswiu von Krankheit geschwächt. Der ehrwürdige Beda berichtet, dass der König im Falle seiner Genesung nach Rom pilgern wollte, um dort die heiligen Stätten der Apostel zu besuchen und sein weiteres Leben zu beschließen. Er hatte sogar den heiligen Wilfrid gebeten, ihn auf dieser Pilgerfahrt zu begleiten. Dieser Wunsch erfüllte sich jedoch nicht mehr.

Der heilige Oswiu entschlief am 15. Februar 670 im Alter von etwa achtundfünfzig Jahren im Herrn. Er wurde in der dem heiligen Apostel Petrus geweihten Kirche des Klosters Streoneshalh, des heutigen Whitby, beigesetzt. Ihm folgte sein Sohn Ecgfrith auf dem Thron. Seine Gemahlin Eanflæd trat später selbst in das Kloster Whitby ein, wo auch ihre gemeinsame Tochter, die heilige Ælfflæd, das monastische Leben führte und schließlich als Äbtissin wirkte.

Das Leben des heiligen Oswiu zeigt einen Herrscher, dessen Weg nicht frei von schwerer Schuld war, der jedoch in der kirchlichen Überlieferung zugleich als ein von Frömmigkeit und Buße geprägter König bewahrt wurde. Seine Förderung der Mission trug wesentlich zur Ausbreitung des christlichen Glaubens unter den Mittelangeln, Merciern und Ostsachsen bei, während seine zahlreichen Klosterstiftungen das geistliche Leben seines Reiches stärkten.

Quellen: Ehrwürdiger Beda, Historia ecclesiastica gentis Anglorum, besonders Buch III, Kapitel 14, 21–22, 24–26 und 29 sowie Buch IV, Kapitel 5; Rumänisch-Orthodoxe Erzdiözese von Großbritannien und Nordirland, Saint Oswiu, King of Northumbria

Gebete

Troparion (4. Ton)

Christus, unseren Gott, als König annehmend, o gerechter Oswiu, mühtest du dich, die Kirche in deinem Reich zu festigen, gründetest Stätten des Gebetes und brachtest deine Schätze als Danksagung dar. Nach Einheit für die Gläubigen strebend und die Heiligen ehrend, bitte Christus, unseren Gott, dass unsere Seelen errettet werden.

Kondakion (3. Ton)

Von Jugend an in der Gottesfurcht unterwiesen, herrschtest du mit Sorge um die Verehrung Christi, o gerechter König. Durch dein Gelübde errichtetest du Klöster als Opfer des Lobes, und durch dein Urteil suchtest du die Eintracht in der Kirche. Darum bitte Christus, unseren Gott, für jene, die dein heiliges Gedächtnis ehren.